Radio FRO ist bissiger geworden

Interview mit Veronika Anna Moser
Text: Christian Diabl // Foto: Petra Moser

Veronika, du hast Radio FRO fünf Jahre hautnah miterlebt und mitgestaltet. Was ist deine persönliche Bilanz?
Ich bin sehr froh über diesen Ort der Freigeister. Für mich ist Radio FRO ein Möglichkeitsraum, wo wir miteinander unsere mediale Realität so gestalten können, wie wir es wollen. Da ist Raum für Experimente, für Ideen, für gelebte Utopie. Ich hab sehr gerne hier gewirkt und gewerkelt, vor allem, weil ich so viele spannende, besondere Menschen getroffen habe. Und alle so unterschiedlich! Vielfalt auf allen Ebenen.


In diesen fünf Jahren hat sich viel verändert. Wie hat der permanente Krisenmodus die Arbeit bei FRO verändert?
Radio FRO ist bissiger geworden und wir haben uns stärker eingemischt. Zum einen ist das Infomagazin FROzine politischer geworden. Zum anderen haben wir versucht, im öffentlichen Raum präsenter zu sein. Also uns bei Demos einzubringen, vor Ort zu sein, live zu übertragen und die Forderungen medial zu verstärken. Radio FRO ist auch Teil der Plattform Solidarität OÖ geworden und mit vielen anderen Initiativen und Vereinen vernetzt, die sich für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzen. Wir haben zwar oft das Gefühl, gegen Windmühlen anzukämpfen und in der Minderheit zu sein, aber es ist wichtig den Mund aufmachen und nicht zu verstummen.


Du hast dich in mehreren Projekten mit dem Thema Migration und Integration von Geflüchteten beschäftigt. Was sind deine Erfahrungen?
Wir haben in den letzten fünf Jahren verschiedene Projekte in diesem Bereich durchgeführt. Zum einen waren das Projekte im Ausbildungsbereich, wo es darum ging, Geflüchteten eine Basisausbildung in der Radioarbeit anzubieten. Dann gab es noch das Satire-Projekt „Pap‘m auf, du Fetz‘nschädl“, wo wir in Form von Radiosprachkursen Menschen mit sogenanntem Migrationshintergrund Schimpfwörter beigebracht haben, also quasi g‘scheites Österreichisch. Ziel war es, auf humorvolle Art und Weise den vorherrschenden Integrationsdiskurs auf die Schaufel zu nehmen. Sehr am Herzen liegt mir auch die „Lange Nacht der Sprachen“, die wir jedes Jahr anlässlich des Europäischen Aktionstags der Sprachen durchführen. Meine Erfahrungen in der Projektarbeit mit Geflüchteten sind gut. Mein Eindruck ist, dass viele Menschen großen Tatendrang haben und enorm dankbar sind, wenn es Türen zur Gesellschaft gibt, die offen stehen. Wo es nicht darum geht, karitative Hinwendung zu erfahren, sondern selber etwas zu geben und mitzugestalten.


Was braucht es deiner Meinung nach gesamtgesellschaftlich, um die Integration Geflüchteter zu einer Erfolgsgeschichte für alle zu machen?
Eine große Frage. Ich glaube, es braucht mehr offene Herzen. Und mehr Offenheit insgesamt. Vielleicht auch mehr Neugier Unbekanntem gegenüber. Mehr Solidarität braucht‘s, und mehr Menschlichkeit. Wir leben gerade in einer Zeit der Unsicherheiten, wo‘s an allen Ecken und Enden bröselt und bröckelt. Natürlich ist das nicht lustig und natürlich haben wir Angst! Es wäre nur gescheiter, nicht auf die Flüchtlinge – die ja auch Betroffene in diesem System sind – hinzuhauen, sondern uns lieber zusammenzuschließen und auf ein Packerl zu hauen. Wir werden das noch brauchen – als Gesellschaft zusammenzuhalten.

Welche Rolle können und sollen freie Radios in einer von Quotendruck, Aufgeregtheit, Hasspostings, Vereinfachungen und Vorurteilen geprägten Medienwelt spielen?

Freie Radios sind wichtig, damit wir nicht in eine gesamtgesellschaftliche Depression verfallen! In den Freien Radios hört man von starken gesellschaftliche Initiativen, die gute Dinge bewegen; es werden Menschen porträtiert, die etwas tun und sich nicht unterkriegen lassen; Probleme werden in aller Ruhe besprochen und kritisch auf‘s Korn genommen. Radio FRO ist für mich ein entschleunigtes Medium und es gibt mir Kraft. Würde es mehr freie Medien geben, wären wir weniger ohnmächtig und hätten weniger Angst.


Veronika Moser arbeitet an der Schnittstelle von Medien, Musik und Pädagogik. Die musikalische Bühne betritt sie als Frau Tomani. www.facebook.com/FrauTomani

14.12.2016