Der Rubikon ist überschritten

Wie passend dieser Ausspruch doch momentan beinahe ständig zu sein scheint. Hat ihn Radio FRO Anfang des Jahres noch als Titel für eine Projekteinreichung beim Innovationstopf der Kulturplattform OÖ (KUPF) gebraucht, so kann er dieser Tage bedauerlicherweise fast täglich bemüht werden, um die Ereignisse auf der politischen Bühne zu kommentieren. Aber woher kommt der Spruch eigentlich und was haben wir mit diesem Projekt vor?

Text: Sandra Hochholzer, Andi Wahl | Fotos: Sandra Hochholzer

Der Rubikon ist ein Fluss in Oberitalien. Der römische Feldherr Gaius Iulius Caesar widersetzte sich 49 vor Christus der Anordnung des Senats, seine Befehlsgewalt niederzulegen, um erneut als Konsul kandidieren zu können, überschritt den Rubikon mit seiner Armee und entfesselte damit einen vier Jahre dauernden Bürgerkrieg. Soweit möchte Radio FRO nicht gehen (müssen). Bekanntlich führte dieser Bürgerkrieg in die Diktatur und setzte der Republik ein Ende. Aber auch in unseren Tagen sehen wir uns mit einer Fülle an Grenzüberschreitungen konfrontiert. Soziale Absicherungen sollen unter rassistisch-fremdenfeindlichen Kriterien beschnitten werden, legistische Vorbereitung zur Ausrufung von Notständen werden getroffen und das Menschenrecht auf Betteln wird mit allen erdenklichen Mitteln beschränkt. Hetze wird wieder salonfähig und politische Randfiguren geraten an die Hebel der Macht. Gleichzeitig werden neue Grenzen etabliert und befestigt, wie zum Beispiel die Grenze zwischen Wohlhabenden und Habenichtsen. Während die Steuereinnahmen auf Besitz sinken wird daran gearbeitet den Niedriglohnsektor auszuweiten.


Radio FRO hat sich entschlossen auf diese Grenzüberschreitungen nicht wie Caesars Kontrahent Pompeius zu reagieren und sich abzusetzen, sondern diesen mit eigenen Grenzüberschreitungen zu begegnen – zuallererst geht es dabei um die Grenzen der eigenen Fähigkeiten. In einer Reihe von Weiterbildungsmaßnahmen wird sich die Redaktion des Infomagazins FROzine inhaltlich und methodisch rüsten, um erwähnten „mannigfaltigen“ Grenzüberschreitungen journalistisch entsprechend zu begegnen.


Was wir genau vorhaben


Bereits seit September laufen die internen Diskussionen als Teil des Entwicklungsprozesses. Bis Januar werden wir uns in internen Lectures und Workshops vorbereiten, bei denen Expert*innen und erfahrene Aktivist*innen eingeladen werden, Inputs zu geben und Raum für Auseinandersetzung zu schaffen. Dazu laden wir nicht nur die Redakteur*innen von Radio FRO ein, sondern das ganze Haus Kirchengasse 4, also auch die Stadtwerkstatt und servus.at, die die aktuellen politischen Entwicklungen und Veränderungen ebenfalls sehr ernst nehmen. Deshalb nehmen auch Vertreter*innen der Redaktionen der Versorgerin sowie der Referentin an unseren Weiterbildungen und Diskussionen teil. Gemeinsam werden wir uns künftig noch stärker mit gesellschaftlich relevanten Themen auseinandersetzen und unsere journalistischen und redaktionellen Kompetenzen schärfen.


Öffentliche Veranstaltungen im Jahre 2017


Ab Ende Januar planen wir dann den Schritt an die Öffentlichkeit. Bis März sollen im Rahmen von drei öffentlichen Diskussionsrunden aktuelle Themen von gesteigerter gesellschaftlicher Relevanz am Podium und mit Publikum an ausgesuchten Plätzen diskutiert werden. Radio FRO 105.0 und dorf tv werden die Veranstaltungen covern und zum Nachhören/Nachsehen bereitstellen.
Alle Infos dazu findet ihr nach Weihnachten auf www.fro.at.


Andi Wahl ist Geschäftsführer bei Radio FRO und Sandra Hochholzer Redaktionsleiterin des Infomagazins FROzine

14.12.2016