Oh, du liebe Zeit (1)

Das Schwerpunktthema im Juni lautet, analog der FRO-Einreichung zum Kupf-Innovationstopf: "Oh, du liebe Zeit."

Wie lässt sich - vorwiegend unbezahlte - Radioarbeit mit anderen Lebensbereichen vereinbaren? Um dies zu konkretisieren, werde ich zwei Sendungsmacherinnen befragen.

Dazu im Studio zu Gast: Julia Kulczycki (Radiabled, No handicap) und Helga Schager (SPACEfemFM).

Beitrag zum nachhören

 

Ausgangspunkt der heutigen Sendung war die Einladung zum Workshop mit Katharina Schwabedissen, thematischer Überbau: "Arbeitszeitpolitik". Veronika Moser schrieb in der Einladung an die Radiomachenden wie folgt:

Zeit ist ein kostbares Gut. Und du findest – durch deine wertvolle Arbeit am Sender von Radio FRO 105.0 – regelmäßig Zeit, das Programm von Radio FRO mitzugestalten und lebendig zu halten. Dafür möchten wir uns heute mal herzlich bedanken. Und uns auch tief verneigen: Hut ab! Es ist sicher nicht immer einfach, Zeit und Energie für's Radiomachen zu finden und die Radioarbeit mit anderen Lebensbereichen zu vereinbaren.

Und da hätten wir dich gerne dabei – als ExpertIn für die Vereinbarkeit verschiedener Lebens- und Arbeitsbereiche.

In einer kleinen Gruppe (ca. 12 Personen) möchten wir uns mit der Verteilung von Erwerbsarbeit, Gemeinwesenarbeit, Familienarbeit und Entwicklungschancen in unserer Gesellschaft sowie in unseren individuellen Alltagsbiographien beschäftigen.

Das brachte mich auf den Gedanken, dass es spannend sein könnte, wenn radiomachende Menschen im Rahmen einer Frozine-Sendung von ihren konkreten Bedingungen im Radio erzählen.

Aus eigener Anschauung, eigener Erfahrung und auch aus meinem Umfeld heraus weiß ich, dass "ehrenamtliche" bzw. "unbezahlte" oder nur andeutungsweise bezahlte Tätigkeiten häufig alles andere als "wertlos", "Privatvergnügen" bzw. nicht von gesellschaftlicher Bedeutung sind. Ad hoc fällt mir dazu die Erziehungsarbeit oder die Pflege von Angehörigen ein, weiters die vielschichtige Arbeit in Vereinen, in denen beispielsweise Menschen Jazzfestivals an eher entlegenen Orten auf die Füße stellen, für die Instandhaltung von Wanderwegen sorgen oder, wie kürzlich auch von mir berichtet, eine Bahnstrecke im Bayrischen Wald vor der mutwilligen Zerstörung retten, weil Menschen mit Brettern vorm Kopf bzw. mit kurzfristigen Verwertungsinteressen das Sagen hatten.

Und selbstverständlich gehört häufig auch die Arbeit in und für Freie Medien einschließlich Freier, nichtkommerzieller Radios zum Spektrum von Arbeit, die auch als solche anerkannt werden müsste, um nicht als "Privatvergnügen" bzw. "Hobby" dazustehen. Die Schlussfolgerung wäre freilich wieder einmal das bedingungslose Grundeinkommen für alle, damit mehr Menschen ihren Neigungen nachgehen und somit auch für die anderen "Gutes" vollbringen können.

Erich Klinger, Sendungsgestaltung und Moderation. 

(Foto: Wikimedia.Skulptur: "Panta Rhei" in Ybbsitz)

13.06.2012