Kultur & Bildung spezial
 
Hörstadt - Weltempfänger

Weltempfänger bezeichnet ein Gerät, das heute schon als antiquiert und überkommen gilt, bzw. über das meist nur eingefleischte Radiofreaks oder nautisch orientierte Menschen sprechen.

Als Informationsquelle wurde es vom Internet überholt. Doch Weltempfänger kennzeichnet auch sehr treffend das Hören, den Hörsinn, mit dem wir, sofern wir das wollen, aktiv hörend, zuhörend, hinhörend Welt im Sinne von menschengemachter, sozial gestalteter Welt, also im Sinne von Hannah Arendt, wahrnehmen und erhören können.

Im November 2012 fand das 3. internationale Hörstadtsymposium mit dem Titel "Weltempfänger - die Globalisierung des Hörens" statt.

In dieser Ausgabe von Kultur & Bildung spezial wird ein Medley zu Gehör gebracht, das die Verschiedenartigkeit der Ansätze zu auditiver Globalisierung zumindest erahnbar machen soll und gleichzeitig einige Bereiche der Soundstudies als jungem kulturwissenschaftlich-interdisziplinären Forschungsgebiet hervorheben will.

"Sapces Speak! Are you liistening?", so ein Titel von Barry Blesser und Ruth Salter, oder der Zugang "Denken mit den Ohren", den Sam Auinger und Bruce Odland verfolgen, thematisieren unter anderem, das aktives Hören einen Zugang zu Informationen bietet, das weit über die akustische Orientierung im Physischen Raum oder das Erfassen von gesprochenen Sinnzusammenhängen hinausgeht.

So wird die "Die Entdeckung des Hörens – eine kurze Kulturgeschichte des Klangs" mittels Ausschnitten von Holger Schulzes Präsentation thematisiert und damit erörtert werden, dass die heute eher nachgereihte Position, die das Hören zumindest vermuteter Weise im Kanon der Sinne einnimmt, keinesfalls natürlicher Weise gegeben ist, sondern beides, sowohl Ausdruck, als auch Folge sozialer Verortung des Hörens in einer Hierarchie der Sinne ist, aber auch Informationen bietet, die wiederum hörend verstehbar machen, welche Rolle der akustischen (Nicht)Gestaltung öffentlicher Räume zukommt, und dadurch einen weitere Zugang schaffen um Welt und Verfasstheit von Welt zu verstehen und zu erkunden.

Wer aktiv hinhört, wie das auch Claudia Schmölders mit "Frauen sprechen weltweit immer auch Prosa" oder Sabine Breitsameter mit ihrem Beitrag  "Auditive Identität und Globalisierung", nicht bloß tun sondern auch reflektierend sozusagen einen Denk-Resonanzraum über auditive Realitäten schaffen, erfährt auch die Vielstimmigkeit von Geschichten, die etwa über die Zeit vergleichendes Hören und nachfragende Neugier bezüglich des Zustandkommens der gespeicherten Klangdaten als Quelle der "Oral History" nur darauf warten erhört zu werden.

Eine weitere Dimension des Weltempfängers resoniert auch in der Erforschung, wie etwa Musik in einer sich globalisierenden Welt entwickelt, wie Identität und Mix zueinander stehen und ähnliches. Dazu hat Jonathan Fischer mit "Hip Hop – eine Welt unter einem Beat" einen interessanten udn sher unterhaltsamen Beitrag geliefert, aber auch H.-P. Meier-Dallach sprach mit "Die Weltklanggesellschaft und der Tanz  der klingenden Vampire" einige sehr interessante Fragen zur globalität lokaler Soundscapes und auditiver Identität an. Auch aus  diesen beiden Beiträgen werden kurze Auschnitte in die Sendung eingeblendet.

Sendungsgestaltung: Michael Schweiger

Mehr Infos zum Hörstadt Symposion 2012

 

 

23.01.2013