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Was schafft ökonomisches Wissen?

Vom 12. bis 14. Dezember 2013 fand unter dem Titel "Wissen! welches Wissen? Wahrheit, Theorie und Glauben in der ökonomischen Theorie" eine gemeinsame Tagung des "Instituts für die Gesamtanalyse der Wirtschaft" (ICAE) an der JKU Linz und des "Zentrums für Ökonomische und Soziologische Studien" (ZÖSS) an der Universität Hamburg im Linzer Wissensturm statt.

In der Sendung gibt es gibt es eine gekürzte Wiedergabe der Session zum Thema Wissensphilosophie mit Beiträgen von Volker Gadenne vom Institut für Philosophie und Wissenschaftstheorie an der JKU und Karl-Heinz Brodbeck von der Hochschule für angewandte Wissenschaften, Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt, Fakultät für Betriebswirtschaft zu hören. In seinem Abstract zum Vortrag über "Unvollständigkeit und Idealisierung in der wissenschaftlichen Theoriebildung" formulierte Volker Gadenne, dass wissenschaftliche Theorien, Modelle und Erklärungen eine Eigenschaft besitzen, die man als "Unvollständigkeit" bezeichnen kann, was damit zusammenhängt, dass man nur über eine unvollständige Kenntnis von relevanten kausalen Einflüssen verfügt oder die Gegenstände der jeweiligen Theorie auf vereinfachte Weise konzipiert, was eine "Idealisierung" bedeutet. Unvollständigkeit und Idealisierung haben verschiedene methodologische Probleme zur Folge: Besonders was die Prüfbarkeit von Theorien und ihre Anwendung zum Zweck der Erklärung und Vorhersage angeht. Diese Probleme und mögliche Lösungen analysiert Volker Gadenne in seinem Vortrag anhand von Beispielen sowohl aus der Physik, als auch den Humanwissenschaften.

Dazu, warum die Ökonomik als Wissenschaft scheitern muss, dafür aber die ökonomische Wirklichkeit mitkonstituiert, hat Karl-Heinz Brodbeck die eine oder andere Idee: In seinem Vortrag weist er darauf hin, dass ökonomische Theorien zwar ursprünglich teil der Ethik waren, heute aber als gesellschaftlich abgesondertes Reich des Wissens gelten. Wenn in der Ökonomik über Wissensprozesse nachgedacht wird, geht es in der Regel um Informationen, die wie Güter behandelt werden. Tatsächlich sind aber -anders als in den Naturwissenschaften- die Objekte der Wissenschaft Ökonomik nie von ihrer theoretischen Beschreibung getrennt: Das ökonomische Wissen gehört selbst zum Gegenstand der Ökonomik, wobei diese grundlegende Struktur kaum methodisch behandelt wird. Sobald man aber die soziale Natur des ökonomischen Wissens explizit betrachtet, wird deutlich, dass die - Naturwissenschaften nachgeahmte - Modellbildung und die empirische Datenerfassung ein grundlegender Irrweg sind, der für zwei fehlleistungen verantwortlich ist: Einerseits für die ideologische Funktion der traditionellen Geldtheorie und andererseits für die systematische Unfähigkeit, nach dem Vorbild der Naturwissenschaften gültige Prognosen der wirtschaftlichen Abläufe zu liefern. Diese Einsicht führt zur Forderung nach einer Ökonomik, die sich als Teil der Wirklichkeit begreift, wobei zu zeigen ist, dass die Erkenntnisse des ökonomischen Wissens als sozialer Prozess auch die Grundkategorien Geld, Markt, Preise etc. fundamental verändern. Die Explikation solcher Wissensprozesse macht ausserdem deutlich, dass auch die quasi naturwissenschaftlich betriebene Ökonomik in ihrer mathematisierten Form nie etwas anderes, als implizite Ethik war.

Detailliertes Tagungsprogramm und Abstracts unter:

http://www.icae.at/wp/programm-zur-tagung-wissen-12-14-4-2013/

 

Sendungsgestaltung: Claus Harringer 

19.02.2014