“Lange genug gewartet!” – haben Menschen mit Beeinträchtigung in OÖ

In diesem FROzine: Ausschnitte aus der Podiumsdiskussion "Lange genug gewartet!" über die untragbare Situation von Menschen mit Beeinträchtigung in OÖ. Derzeit warten mehr als 5.000 Menschen mit Beeinträchtigung auf einen Wohnplatz, auf einen Arbeitsplatz, auf Unterstützung durch einen mobilen Dienst oder auf eine andere Maßnahme. Aus finanziellen Gründen gibt es derzeit keinen positiven Ausblick auf die Zukunft für die Menschen.

Nach dem oberösterreichischen Chancengleichheits-Gesetz von 2008 besteht für Menschen mit Beeinträchtigung ein Rechtsanspruch auf Leistungen wie Wohnen, Arbeit, mobile Pflege und weiteres. Allerdings gilt dieser Anspruch nur „nach Maßgabe der budgetären Mittel“, also solange das Geld reicht. Das Geld reicht aber bei weitem nicht, es fehlen rund 200 Mio Euro für das Budget im Behindertenbereich. Aufgrund dieser untragbaren Situation hat die Vereinigung der Interessensvertretungen der Menschen mit Beeinträchtigung in OÖ (IVMB) am 18. September eine Podiumsdiskussion im Linzer Rathaus unter dem Titel „Lange Genug gewartet!“ veranstaltet.

Christoph Srubar berichtet im Beitrag aus der Sendereihe Planetarium vom Freien Radio Freistadt über die derzeitige schwierige Situation für viele Menschen mit Beeinträchtigungen in OÖ - über dringenden Handlungsbedarf und Optionen. Zu hören sind Ausschnitte aus der Podiumsdiskussion. Zu Wort kommen betroffene Mütter beeinträchtigter Kinder, die Interessensvertreter Alfred Prantl (Obmann der IVMB), Franz Weiß (Präsident Lebenshilfe OÖ), Hermann Wögerer (Vorstandsvorsitzender Verein Miteinander) sowie als politische Vertreter*innen Sozial-Landesrätin Gertraud Jahn (SPÖ) und Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP).

Link zum Beitrag

Link zur Online-Petition

 

Zudem gibt es zwei kurze Meldungen:

Zum einen wird am 16.10. weltweit der Spirit Day gefeiert. An diesem Tag soll auf die hohe Selbstmordrate von lesbischen, schwulen, bi- und transsexuellen Jugendlichen in Folge von Mobbing hingewiesen werden. Weltweit beteiligen sich viele Organisationen, Schulen, aber auch Superstars usw. um gemeinsam ein Zeichen gegen Homophobie zu setzen. Die Farbe Lila symbolisiert auf der Regenbogenfahne den Spirit/Geist der Community. Zum Spirit Day ziehen sich die Menschen deshalb lila Kleidung an oder beleuchten öffentliche Gebäude in der Farbe lila. Auch in den Sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter, Instagram und Co beteiligen sich die Menschen am Spirit Day. Überwiegend wird der Spirit Day in Amerika zelebriert. Wer auch bei uns mitmachen möchte, zieht sich am 16.10. ganz einfach lila Kleidung an. 

Und zum anderen eine Meldung zur Aussendung von TransX (Verein für Transgender Personen) über die provinziellen und rückständigen Empfehlungen des Gesundheitsministeriums für den Behandlungsprozess Transsexueller in Österreich.

1997 hat das Gesundheitsministerium nach Beratungen durch den Obersten Sanitätsrat „Empfehlungen für den Behandlungsprozess von Transsexuellen“ herausgegeben. Diese sind inzwischen mehr als 16 Jahre alt. Im Juli 2014 hat das Bundesministerium für Gesundheit neue "Empfehlungen für den Behandlungsprozess bei Geschlechtsdysphorie bzw. Transsexualismus" veröffentlicht. Diese Empfehlungen des Gesundheitsministeriums wurden nun schon zweimal revidiert. Zuletzt Anfang Oktober.

Allerdings werden diese Empfehlungen vom Verein TransX (Verein für Transgender Personen) als absurd und provinziell zurückgewiesen. In einem offenen Brief mit dem Titel WIR LASSEN UNS NICHT UNHEILBAR KRANK MACHEN fordert TransX das Gesundheitsministerium auf, die Empfehlungen zurückzuziehen. Denn sie bezeugen kein Verständnis von Transsexualität, fordern Psycholog*innen absurde Stellungnahmen ab und sind dank des Vorliegens internationaler Empfehlungen eine provinzielle Groteske. Statt einer klaren Krankheitsdiagnose verlangt das Gesundheitsministerium die Prognose, dass Geschlechtsdysphorie bzw. Transsexualismus aus heutiger Sicht mit sehr großer Wahrscheinlichkeit als dauerhaft eingestuft werden kann. Das absurde ist dabei: Eine Prognose kann nichts über das aktuelle Leiden aussagen. Zudem ist Transsexualität nicht unheilbar, sondern i.d.R. durch einen Geschlechtswechsel überwindbar. Und Psychiater*innen, Psycholog*innen und Therapeut*innen haben keine Methoden, um die Wahrscheinlichkeit zukünftiger Geschlechtswechsel zu bewerten.

TransX vermutet, dass mit dieser Formulierung die Behandlung verzögert und verhindert werden soll. Eine dauerhafte Transsexualität kann nur erwartet werden, wenn die Betroffenen nach dem Geschlechtswechsel sofort wieder im anderen Geschlecht anerkannt werden wollen oder - worauf die Empfehlungen wohl abzielen - wenn Transsexuellen der Geschlechtswechsel verunmöglicht wird.

Link zum offenen Brief von TransX

 

Creative Commons-Musik in der Sendung:

Jerry Sterling - Good Mood Song
Whise - Dialogue
Wasaru - basspirit


Moderation: Michael Diesenreither

15.10.2014